Heilige Nacht auf der Pflegestation

Tom Duerner

 

 

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Heilige Nacht auf der Pflegestation

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Heilige Nacht auf der Pflegestation

im Ghetto nebenan

und Frieda B. hat nur einen Wunsch,

den schickt sie heut himmelan.

Denn heute kommt der Heilige Christ

und vor Aufregung hat sie eingepisst,

sie schafft`s einfach nicht mehr so schnell bis zum Klo

und „Stille Nacht“ spielt das Radio.

 

Refr.:   Lieber Gott mache,

daß ich nicht mehr erwache.

Laß heute nacht meine Uhr stille stehn,

laß mich endlich geh`n.

 

Und die Schwestern haben auch heut keine Zeit

keine Zeit, keine Zeit für Barmherzigkeit

Sie sind auch heut völlig unterbesetzt

und überlastet und abgehetzt.

Und der Pfarrer hat in der Kirche zu tun

volles Programm zum Freudenfest.

Und Frieda B. hat nur einen Wunsch:

Daß Gott sie endlich sterben läßt.

 

Refr.:   Lieber Gott mache,

daß ich nicht mehr erwache.

Laß heute nacht meine Uhr stille stehn,

laß mich endlich geh`n.

 

Damals, in ihren besten Jahr`n

da hat sie nur Trümmer zusammengekehrt

als Aktivistin Namenlos

unsren Karren mit aus dem Dreck gezerrt.

Heut wird sie dafür - ist das nicht famos -

mit der Mindestrente geehrt.

Und hat davon noch die Hälfte gespart,

für die Erben hat sie`s aufbewahrt.

Denn sie hatte zwei Königskinder

und hatte die beiden so lieb

doch leider hatten beide ein

Gedächtnis wie ein Sieb !

Und sie fragten einen Dreck nach ihr

nur in ihrer Akte, da gab`s ein Papier

im Fall, etwas Ernsthaftes passiert,

wen man da sofort informiert:

Na, am Besten doch wohl gleich das Gericht,

denn friedlich einigen die sich nicht.

 

Refr.:   Lieber Gott mache,

daß ich nicht mehr erwache.

Laß heute nacht meine Uhr stille stehn,

laß mich endlich geh`n.